Ergänzende Informationen

Sterben und sterben lassen

Zu einem schwierigen Aspekt von Demenz
VON  CHRISTIAN  WALTHER,  MARBURG
Die  meisten  von  uns  finden  es  bedauerlich,  wenn  ein  Mensch  am Ende des Lebens irgendwann nicht mehr ansprechbar ist und dann noch längere Zeit in einem Dämmerzustand weiterlebt. Wenn ein Ende dieser Situation nicht absehbar ist, steigert sich das Bedauern zur Hilflosigkeit  und  irgendwann  fragt  man  sich,  ob  es  denn  gut  sein kann, einem derartigen Zustand kein Ende setzen zu dürfen.
Anhand eines realen Fallbeispiels wurde eine kleine Befragung durchgeführt,  deren   Ergebnisse  hier vorgestellt und besprochen werden. Damit soll diese Problematik auf den Punkt gebracht und die Frage, was vielleicht möglich wäre, beantwortet werden. Zusätzlich zum nachfolgenden Text (der Einfachheit halber wird hier generell das männliche Geschlecht verwendet) sind sämtliche Freitext-Antworten und Kommentare in dieser elektronischen Lang-Version des Aufsatzes zu finden.
...der gesamte Text als PDF

Kommentar von Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf...

...zum Berliner Verwaltungsgerichtsurteil (VG 9 K 63.09 vom 30. März 2012):
"Das vollständige Urteil liegt ja noch nicht vor, aber die Entscheidung des VG scheint mir doch gut nachvollziehbar zu sein. Es geht dem Gericht letztlich darum, ob die berufsrechtlichen Regelungen, die die Sterbehilfe verbieten, mit der Verfassung vereinbar sind. Um dies zu prüfen, muss zunächst geklärt werden, welche durch die Verfassung geschützten Rechte des Arztes überhaupt betroffen sind. In Frage kommen die allgemeine Handlungsfreiheit (Art. 2), die Berufsfreiheit (Art. 12) und die Gewissensfreiheit (Art. 4). Das Gericht steht offenbar auf dem Standpunkt, dass das Standesrecht die allgemeine Handlungsfreiheit und auch die Berufsfreiheit einschränken kann, nicht jedoch ohne weiteres die Gewissensfreiheit. Wenn die Gewissensnot des Arztes nachvollziehbar ist - das wird offenbar bei persönlichem Näheverhältnis zum Patienten und einer sehr schweren Erkrankung des Patienten angenommen - , ist das berufsrechtliche Verbot unzulässig. Offenbar nimmt das Gericht weiter an, dass bei (körperlich) Gesunden und bei psychisch Kranken kein vergleichbarer Gewissensdruck beim Arzt entstehen kann. Erst Recht soll wohl beim kommerziellen Handeln der Gewissensdruck fehlen."