Partei der Humanisten

Für die Partei der Humanisten beantwortete uns der Bundesvorsitzende Felix Bölter die Fragen:

Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihre Anfrage zur Positionierung der Partei der Humanisten zum Thema Sterbehilfe.
In unserem Grundsatzprogramm haben wir folgende Position formuliert:
“Wir treten für Selbstbestimmung auch am Lebensende ein und befürworten deshalb eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe.”
In unserem Artikel zum damals frisch eingebrachten Gesetzentwurf zum jetzigen § 217 StGB schrieb der damalige Generalsekretär David Helmus:
“[...] nichts [sollte] mehr selbstbestimmt sein, als die Entscheidung über das eigene Wohlergehen. Die Sterbehilfe ist für Menschen, die für sich persönlich diese Entscheidung getroffen haben. Für niemanden sonst. Diese Menschen müssen ihre Entscheidung vor sich, ihren Freunden und ihrer Familie treffen – kein Abgeordneter hat das Recht ihnen das abzunehmen.
Gerade deswegen wollen Befürworter der Sterbehilfe auf der einen Seite einen starken Ausbau der Palliativmedizin, um Menschen die Angst vor einem qualvollen und einsamen Tod zu nehmen. Deswegen werden auf der anderen Seite auch starke und effiziente Kontrollmechanismen gefordert, um sicher zu sein, dass es sich bei dem Wunsch zu Sterben um den ausdrücklichen Willen der jeweiligen Person handelt und nicht um eine Kurzschlussreaktion oder ein von außen eingeredeten Wunsch.”
 

Wir als Partei der Humanisten teilen somit die Kritik am gesetzlichen Verbot der “geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung”, die u.a. von der DGHS, Bundesrichter Dr. Thomas Fischer (in mehreren diesbezüglichen Artikeln seiner Kolumne “Fischer im Recht”) oder der Giordano-Bruno-Stiftung (in der Kampagne “Mein Ende gehört mir”) vorgebracht wurde. Aufgrund der zum Teil juristisch wie ethisch verwirrenden und widersprüchlichen (von Thomas Fischer treffend differenzierten) Begriffsverwendungen in der Debatte halten wir außerdem eine weitere Versachlichung der Auseinandersetzung mit dem Thema für dringend erforderlich.
Auch die in Ihrem Anschreiben formulierten Forderungen nach einer Rücknahme des § 217 StGB sowie einer legalen Möglichkeit der Sterbebegleitung unterstützen wir.
Sollte die Partei der Humanisten in parlamentarische Verantwortung kommen, wird sie das Thema “Selbstbestimmung am Lebensende” auf jeden Fall schnellstmöglich wieder in die Diskussion bringen - es ist ein liberales Kernanliegen jeder humanistischen Organisation.
Sollte das gesetzliche Verbot der Sterbehilfe aufgehoben werden, wäre eine im Sinne der Partei der Humanisten erstrebenswerte Regelung eine solche, die für Patienten, die
1.    aufgrund einer schweren und nicht oder nur sehr schwer heilbaren Erkrankung massiv in der Lebensqualität                eingeschränkt sind,
2.    mündig und einwilligungsfähig sind und
3.    auch nach ausführlicher Beratung einen eindeutigen Sterbewunsch äußern sowie
             a. entweder selbst zur Selbsttötungshandlung fähig oder
             b. aufgrund von Immobilität nicht mehr selbst handlungsfähig sind
       die Möglichkeit einer würdevollen, selbstbestimmten (und nötigenfalls auch „aktiven“) Sterbehilfe ermöglicht.

Gern beantworte ich Ihnen auch weitere Fragen und verbleibe ansonsten mit humanistischen Grüßen.

Felix Bölter
Bundesvorsitzender Partei der Humanisten